Peloponnes

Epidauros, Mykene, Olympia, Sparta – die Schauplätze der Dramen und Heldentaten im einstigen Reich des sagenhaften Königs Pelops ziehen Tausende Touristen an. Weite Tannenwälder gegen kargen Fels, die monumentalen Gebirge des Parnonas und Taygetos, liebliche Ebenen und heilige Stätten kennzeichnen die riesige Halbinsel, auf der nur eine Million Menschen leben. Heitere Küstenorte wie Nafplion, Gythion oder Kalamata leben sich in der Gegenwart aus. In der Abgeschiedenheit Arkadiens und der südlichen Halbinsel Mani findet man das pure Griechenland.

Besonderheit des Peloponnes Süd: Als eines der letzten Rückzugsgebiete Europas entdeckte jüngst auch die Elite Hollywoods mit Messenien das „alte Herz Griechenlands“. Die originalen Schauplätze an Häfen, urigen Tavernen, versteckten Buchten und alten Brauchtum in und um Kardamili dienten unter anderem jüngst als Kulisse für „Before Midnight“ , dem demnächst in die Kinos und mit Spannung erwarteten dritten Teil der großen US-Liebesromanze zwischen Ethan Hawke und Julie Delpie.

Wissenswertes & Reisetipps

Erhabene Stätten der Argolis

Eine Stadt mit klassischer Ausstrahlung und unwiderstehlichem Charme ist Nafplion. Ihr historischer Stadtkern ist mit großzügigen Plätzen voller Cafés und einer klassizistischen Meerespromenade ganz auf den Argolischen Golf ausgerichtet und gibt sich weltoffen. Kein Wunder, denn Nafplion war vor Athen die Hauptstadt Griechenlands. In ihrer hübschen Altstadt mit einem Gewirr aus Gassen und Treppen findet sich die höchste Dichte an Tavernen und Bars auf dem Peloponnes. Steil steigt das Viertel am 229 m hohen Burgberg mit der Festung Palamidi an. Genau 999 Stufen führen hinauf. Die Mühe wird durch einen sensationellen Ausblick über die Argolis und auf die kleine Festungsinsel Bourtzi belohnt, dem Wahrzeichen der Stadt. Zweifellos der Höhepunkt einer Reise durch die Argolis ist die antike Theaterstätte Epidauros am Saronischen Golf. Hunderte Besucher aus allen Nationen erklimmen täglich die 2000 Jahre alten Steinstufen des Theaterrunds, um die phantastische Akustik zu erproben. Die Dramendichter Aischylos, Sophokles oder Euripides brachten hier jene Stoffe zur Aufführung, die von den Herrschergeschlechtern aus dem nahen Tiryns, Argos und Mykene überliefert waren. Familientragödien, die als psychologische Wegweiser und Spiegelung der menschlichen Natur bis in die heutige Zivilisation Europas nachwirken.

Messenien, Lakonien & Mani

Von Spiritualität, Leidenschaft & schönen Dornen
Der große Süden des Peloponnes ist aus dem harten Stein des Taygetosgebirges geformt. Küstenstädtchen wie Gythion halten mit italienischem Flair dagegen und das legendäre Sparta behauptet sich als moderne Kapitale. Doch das Alte scheint immer glänzend auf Mistras, Monemvassia und der kargen Halbinsel der Mani. Die Südroute bis zur Hafen- und Industriestadt Kalamáta wirkt wie eine Entschlackungskur von der opulenten Argolis. In den beschaulichen Hafenstädtchen Pylos, Methoni und Koroni bietet sich ein Badeaufenthalt an, ehe es durch die messenische Ebene in das gewaltige, mit zerklüfteten Felsen auf 2400 m anwachsende Taygetos-Gebirge in die Provinz Lakonien geht. Sparta ist ihr Zentrum und die Stadtanlage bezeugt den sprichwörtlich gewordenen Lebensstil der einstigen Krieger. Sie ist praktisch, akkurat, quadratisch. Doch umgeben von einer schillernden Ebene mit Orangenplantagen und Olivenanbau pflegen die heutigen Spartaner einen munteren Alltag mit regem Nachtleben.

Nicht weit von Sparta liegt das byzantinische Zentrum der Spiritualität: die Ruinenstadt Mistras. Sie ist entlang einem schmalen, schattenlosen Gebirgspfad den Hang des Taygetos hinaufgewachsen und war einst die Kaiserschmiede von Byzanz. Jedes Kloster und jede der Kirchenanlagen, die teilweise noch bewirtschaftet sind, wurde im Ebenmaß und eingebettet in die Schönheit der Landschaft erbaut. Und in jedem dieser Orte liegt eine besondere kontemplative Kraft. Einen Tag braucht man mindestens, um dieses mittelalterliche Wunder der religiösen Vervollkommnung zu durchwandern. Im hübschen Ort Mistras stehen viele Tavernen und Pensionen zur Einkehr offen.

Wehrhafte steinerne Mani

Die quirlige Hafenstadt Gythion gilt als Tor zur Halbinsel Mani. Von Sparta durch die immer karger werdende Landschaft Lakoniens kommend, wirkt das Hafenrund mit seiner klassizistischen Häuserfront, einer belebten Platía an der Uferstraße und stilvollen Cafés fast mondän. Stattliche Bürgerhäuser klettern auf einem Hang hinauf, gekrönt vom Idyll alter Fischerhäuser. Auch das Grün der Agaven und Olivenhaine trumpft beim Spaziergang noch einmal auf, dann führt die Reise über steile, nackte Steinrücken zur lakonischen Felsenküste. Das Dorf Stavropigio zeigt sich mit dem ersten der maniotischen Wehrtürme, den Wahrziegen der einst kriegerischen Gegend. Stoupa ist ein kunstvoll restaurierter Badeort mit herrschaftlichen Steinhäusern. Der benachbarte Ferienort Kardamyli ist bunt illustriert mit Souvenirläden und kleinen Boutiquen. Diese „Exo Mani“, die äußere Mani, trägt noch liebliche Züge. Erst südlich der Hauptstadt Areopolis heißt sie „Mésa“, die „innere“ Mani, von der einst ein Hirte gesagt haben soll, man habe hier die schönsten Dornen zu verkaufen. Mit gedrungenen Kalksteinhäusern, sehr engen Gassen, fast fensterlosen Wohntürmen und einem Ringwall aus Feigenkakteen wirkt Areopolis wie eine kleine Festung. Tatsächlich mussten sich die stolzen Manioten oft gegen Eindringlinge verschanzen. Aber auch untereinander trugen die Geschlechterclans noch bis ins 19. Jahrhundert leidenschaftliche Fehden aus. Eine Rundfahrt über die Halbinsel führt zu Dörfern, die wie Igel nur aus Türmen bestehen. Besonders sehenswert sind Mina, Kita, Alika und an der Südspitze Vathia. Der Weg führt dabei auch in eine verlockend einsame, lichtblaue Küstenlandschaft mit versteckten Badebuchten. Am äußersten Südzipfel liegt das Kap Tenaro, an dem man einen Eingang zum Hades vermutete. Die Mani ist durchzogen von Höhlen, und im Ort Pirgos Dirou kann man in einem labyrinthischen Höhlensystem mit Langbooten in märchenhaften Tropfsteingewölben treiben.

Mittelalterliches Monemvassia

Ein Höhepunkt im großen Süden ist auch Monemvassia am östlichen Finger Lakoniens. Auf der Meerseite eines 300 m hohen Inselbergs wurde die Siedlungsfeste unsichtbar für Eindringlinge aus dem Hinterland in die Hänge gebaut. Sie bildet das einmalige Ensemble eines mittelalterlichen Lehens- und Kirchendorfes, das dem Vergleich mit dem heiligen Mont-St.-Michel gewiss standhält. Die malerische Hauptgasse des Ortes ist von kleinen Delikatessenläden, schönen Boutiquen und Tavernen gesäumt. Beim Aufstieg über das Dorf zu den Resten einer fränkischen Festung genießt man unwahrscheinliche Ausblicke ins Blau der tiefsten Stelle des Mittelmeeres.

Korinth & Ilia – Von Heiligtümern, Wein & Strand

Wo die Korintherbriefe verlesen wurden und wo alle vier Jahre zu den Olympiaden der Frieden ausgerufen wurde, reist man zurück zu den Wurzeln Europas. Und gleichzeitig durch die üppigste Landschaft der Halbinsel. Der Kanal von Korinth mit seinen 80 Meter tiefen Steilwänden und seiner Länge von über sechs Kilometern bildet die Pforte zu König Pelops Reich. Der antike Held gab der Halbinsel den Namen und beherrschte die Provinz Ilia mit Olympia, dem größten Heiligtum der alten Welt. Bevor man jedoch über die Hafenstadt Patras dorthin reist, vermittelt ein Besuch der antiken Stadtanlage von Korinth und der Burg Akroporinth einen tiefen Eindruck von den Machtzentren des Altertums. Empfehlenswert ist auch ein Tagesausflug zum Städtchen Diakofto. Dort startet eine historische Zahnradbahn in die Schlucht des Vouraikos. Hier zeigt sich schon die gewaltige Dimension der Peloponnes-Gebirge.

Zarte Landschaft Ilia

Ein Stopp in Patras, im Jahr 2006 Kulturhauptstadt Europas, mit seinem frequentierten Hafen lohnt sich. Entlang der gesamten Küste bis tief ins Herz von Ilia erstreckt sich das größte Anbaugebiet für griechische Qualitätsweine. Ein Blick in die Weinhandlungen von Patras führt zur Entdeckung erlesener Tropfen. Die Provinz Ilia öffnet sich in sanften Hainen. An der Westküste liegen die großen Urlaubsareale von Kyllini mit fast goldfarbenen, kilometerlangen Sandstränden, die einer weiten Dünenlandschaft gleichen. Für den Besuch der antiken Stätte Olympia reicht ein einziger Tag kaum aus. Das liebliche Alphios-Tal mit seinen Zypressen, Eukalyptusbäumen und Olivenhainen strahlt harmonischen Frieden aus. Am Kronos-Hügel, wo sich die Ausgrabungsstätte Olympias mit dem Zeustempel, der Palästra und dem Stadion erstreckt, wird der friedvolle Eindruck noch stärker. In einer der ältesten Tempelstätten Europas, die von Menschen in stetiger Auseinandersetzung mit dem Menschsein erschaffen wurde, liegen Sinnbilder von zeitloser Gültigkeit verborgen. Obwohl hier scheinbar nur antike Steine von den Verwerfungen der Zeit befreit wurden und die Säulen des Zeustempels in sich zusammengestürzt sind, ruht in Olympia für immer jener demokratische Gestus aus Harmonie und Ästhetik, der die olympische Idee in die Welt bringen konnte.

Arkadien & Argolis

Von Bergdörfern, heller Küste & großen Dramen Die arkadische Landschaft gilt als Inbegriff der Sehnsucht nach idyllischer Abgeschiedenheit. In bizarren Felsenklausen leben Mönche. Die kontrastreiche Landschaft der Argolis mit den archaischen Stätten Mykene, Tyrins, Argos und Epidauros ist das Dorado der Kulturreisenden. Die Küstenregion Arkadiens zwischen den schönen Dörfern Leonidion und Astros ist ideal für einsames Baden an schönen Kiesstränden. Dann führt die Gebirgsstraße ins schroffe Landesinnere. Bergdörfer wie Andritsena, Stemnitsa, Dimitsana und Vytina zeigen sich mit schmalen Gasen, historischen Bürgerhäusern und freundlichen Bewohnern in ungeschminkter Schönheit. Von Andritsena lohnt ein Abstecher zum Tempel von Bassai, einem der schönstgelegenen Griechenlands. Zum Schutz vor Frost und Schnee ist er verhüllt. Durch das üppige, wasserreiche Lousios-Tal wandert man zu den Mönchsklausen von Moni Prodromou. Wie Adlerhorste hängen sie in der Steilwand eines hohen Felsens. Während des griechischen Freiheitskampes gegen die Osmanen entstanden sie als „Geheime Schulen“, wo Mönche die kulturelle Identität des alten Griechenlands wahrten. Heute haben sich noch einige auf Lebenszeit in die Exklave zurückgezogen uns gestatten den Besuch des urzeitlichen Klosters bis 12 Uhr mittags.

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